Volksabstimmung vom 27. September 2026
Quellen: admin.ch · parlament.ch · swissinfo.ch · Initiativkomitee
Neutral sein heisst: Die Schweiz hilft in einem Krieg keiner Seite. Die Initiative will diese Neutralität fest in die Verfassung schreiben. Die Schweiz soll für immer neutral bleiben. Sie soll aber weiterhin eine eigene Armee haben. Dazu kämen zwei neue Regeln. Erstens: Die Schweiz dürfte keinem Militärbündnis mehr beitreten — also keiner Gruppe von Ländern, die sich im Krieg militärisch beistehen. Zweitens: Die Schweiz dürfte keine eigenen Sanktionen mehr verhängen. Sanktionen sind Strafmassnahmen gegen ein Land, zum Beispiel ein Handelsverbot. Erlaubt blieben nur Sanktionen, welche die UNO beschliesst. In der UNO arbeiten fast alle Länder der Welt zusammen.
Die Volksinitiative verlangt einen neuen Artikel 54a der Bundesverfassung, der die schweizerische Neutralität als «immerwährend» und «bewaffnet» definiert. Untersagt würden der Beitritt zu Verteidigungs- bzw. Militärbündnissen (ausser bei einem militärischen Angriff auf die Schweiz oder dessen Vorbereitung) sowie die Beteiligung an «nichtmilitärischen Zwangsmassnahmen» (Sanktionen) gegen kriegführende Staaten — ausgenommen Massnahmen, die der UNO-Sicherheitsrat beschliesst. Eingereicht am 11. April 2024 mit 129'806 gültigen Unterschriften.
2022 hat Russland die Ukraine angegriffen. Seitdem stellt sich die Schweiz eine Frage: Wie neutral soll sie sein? Es geht zum Beispiel darum, ob die Schweiz bei Sanktionen mitmacht. Oder wie eng sie mit anderen Ländern zusammenarbeitet.
Nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ab Februar 2022 übernahm die Schweiz die meisten EU-Sanktionen gegen Russland. Das löste eine Grundsatzdebatte aus, wie eng oder weit die Neutralität auszulegen sei. Die heutige Verfassung weist Neutralität als Aufgabe von Bundesrat und Parlament aus und lässt damit Spielraum, sie den Umständen anzupassen. Das Initiativkomitee (Verein «Pro Schweiz», hervorgegangen aus der AUNS) möchte eine klar umrissene, «umfassende» Neutralität verfassungsfest machen. Bundesrat und Parlamentsmehrheit lehnen eine starre Festschreibung ab.
Stand: Abstimmungsverhalten im Parlament. Offizielle Parteiparolen (Delegiertenversammlungen) folgen näher zum Termin.
Empfehlung Nein. Initiative abgelehnt; Gegenvorschlag definitiv vom Tisch (Einigungskonferenz: Ständerat 29:11, 4 Enthaltungen).
Opportunitätskosten = der Preis der nicht gewählten Option. Symmetrisch dargestellt, ohne Wertung.
Wähle eine Situation — sieh, wie sie sich heute und mit Art. 54a auswirken würde.
Die Schweiz übernahm die EU-Sanktionen gegen Russland.
Eigene oder von der EU übernommene Sanktionen wären untersagt — erlaubt bliebe nur, was der UNO-Sicherheitsrat beschliesst.
Neutralität ist nicht überall dasselbe — und sie verändert sich. Vier europäische Länder, gemessen an der Schweiz.
Drei Muster: dauerhaft neutral ausserhalb von Bündnissen (Schweiz), neutral und zugleich in der EU (Österreich, Irland) sowie der jüngste Wechsel von der Bündnisfreiheit zum NATO-Beitritt (Schweden, Finnland) nach 2022.
Das Neutralitätsrecht ist über zwei Jahrhunderte stabil geblieben; die Auslegung der Neutralität wurde mehrfach den Umständen angepasst.
Über Neutralität kursieren einige Vereinfachungen. Sieben davon — und was die amtlichen Quellen dazu festhalten.